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Das Tier in mir und meinem Kochtopf

Hier noch mein Nachtrag von gestern ...

Freitag Abend … endlich Feierabend und die Stimmung zu Hause ist einfach wunderbar. Mein Mann kommt heim und ist nicht gestresst, ich freu mich aufs Kochen … weil es heute spannend wird … eine Premiere … etwas, dass ich noch nie gemacht habe … und mein Sohn ist einfach nur happy, weil er lange aufbleiben darf.

Also schau ich mir das Rezept an, welches ich mir vorgenommen habe. Miesmuscheln in einem Weißwein-Tomaten-Sud. Noch nie in meinem Leben habe ich Muscheln gekocht und ich bin doch etwas nervös. Angeblich soll man sie ja nur in Monaten mit einem "r" im Namen verzehren … sprich den Wintermonaten, da sie im Sommer zu viele Toxine durch Algen aufnehmen können. Nun ja, es ist Winter … und mein gesunder Menschenverstand gibt mir ein, dass das mit den Algen im Sommer bestenfalls noch bei selbst gesammelten Muscheln, so richtig echt aus dem Meer, eine Rolle spielt, denn die Muscheln, die wir im Supermarkt oder Fischgeschäft kaufen, kommen ohnehin alle aus kontrollierten Aquakulturen. Wie sonst soll ein italienisches Restaurant an der Adriaküste im Sommer diese herrlich duftenden Muschelgerichte servieren?!?

Mein Mann hatte jedenfalls frische Miesmuscheln im Geschäft bekommen, die allerdings eingeschweißt zu mir in meine Küchen kamen. Als ich die Vakuumverpackung öffnete kamen die ersten Zweifel auf. Wie war das mit Muscheln … wenn sie geöffnet sind, sollte man sie doch nicht essen, oder?! Diese hier waren so ziemlich alle offen! Na toll! Und jetzt? Auch Herr Lafer schreibt in seiner Kochschule, dass man die geöffneten Muscheln nicht verwenden soll. Manche waren aber nur leicht geöffnet und irgendwie rochen sie nicht verdorben. Das konnte doch nicht sein. Also flugs meinen Freund und Begleiter Google gefragt und schon erhielt ich dank eifriger Menschen, die ihre Weisheiten in diversen Kochforen freigebig feilboten, die Antwort auf meine Frage. Im Prinzip geht es bei dieser Sache mit offenen und geschlossenen Muscheln darum, dass die Tierchen noch leben müssen, wenn man sie in den Kochtopf schmeißt. Tote Muscheln verderben schnell und sind dann ungenießbar. Jemand riet, geöffnete Muscheln nicht immer gleich weg zu werfen, sondern sie einem recht einfachen Test zu unterziehen. Man solle die Muscheln einfach ein bisschen auf den Tisch klopfen und wenn sie sich dann zuzögen, wäre gewährleistet, dass sie noch lebten. Macht Sinn, denn eine tote Muschel kann kaum Muskelkontraktionen ausführen, und viel mehr als ein allesfilternder Muskel ist so eine Muschel ja nicht. Also saßen wir gestern Abend allesamt gemeinsam in der Küche und klopften was das Zeug hielt und siehe da, die Ausbeute war erstaunlich … fast alle Muscheln schnappten ein, nachdem wir ihnen klopfenderweise etwas auf die Nerven gingen.

Es konnte also losgehen mit meinem ersten eigenen Miesmuschelgericht.

Schalotten und Knoblauch in reichlich Olivenöl anschwitzen, dann geachtelte Tomaten und die Muscheln hinein. Ein seltsamer Moment, wissenden Auges, lebende Tiere in einen heißen Kochtopf zu schmeißen. Es dauerte nicht lange, und die Muskeln der qualvoll hingerichteten Weichtiere erschlafften, so dass die Schalen aufsprangen. Mit Weißwein und etwas Tomatensaft ablöschen, salzen, pfeffern und mit Petersilie bestreuen – fertig!

Dazu gab es Pommes, weil ich mir durchaus nicht sicher war, ob mein Sohn, der sich nun wirklich getraut fast alles wenigstens zu probieren, Weichtiere zu seinem kulinarischen Portfolio hinzuzufügen gewillt war.

Und ehe Fragen aufkommen ... Nein – die Pommes waren wieder nicht selbst gemacht! Ich besitze immer noch keine Friteuse und bislang kommen wir mit TK Ware, die man im Ofen bäckt ganz gut aus. Ich weiß, irgendwann stehen Pommes an … denn auch die sind in Lafers Kochschule beschrieben … echte eigene selbstgemacht Pommes … aber heute wollte ich erstmal meine ersten Muscheln feiern.

Wir stießen mit ordentlich Wein (und Fanta für den jungen Herrn) an und ließen uns die Muscheln schmecken. Ich muss gestehen, dass ich überrascht war, wie angenehm der Geschmack des Suds war und dass es keineswegs nach Meeresgetier schmeckte oder roch. Mein Mann, der Weichtiere erstaunlich gerne isst … er liebt Schnecken !!! (eine Speise, die mir dann doch nicht so ganz den Rachen hinabgleiten will) … war ganz begeistert von den Muscheln und hat sich wirklich den Bauch vollgeschlagen. Sohnemann kam nicht über die Hürde, dass die Miesmuschel nicht so richtig wirklich appetitlich aussieht und mümmelte fleißig seine Pommes mit Ketchup. Und ich … tja, geschmeckt hat es mir sehr gut … aber der Anblick der Tiere, wie sie im heißen Dampf und Sud sprichwörtlich "den Geist aufgaben", der machte mir tatsächlich ein kleines bisschen zu schaffen. Ich weiß, man muss dies Meeresköstlichkeit lebendig kochen, um Lebensmittelvergiftungen zu vermeiden, aber ganz einfach viel mir das Essen der Tiere dann doch nicht. Ich finde es eigentlich albern … denn einem Huhn, welches man in den Kochtopf schmeißt hat man vorher irgendwann auch den Kopf abgeschlagen … wo ist also der Unterschied. Es gibt ihn nicht … und daher war mein heutiges Kochexperiment eigentlich auch ein bisschen eine Lehre über das, was wir heute, wenn wir tierische Produkte essen, nicht mehr gewohnt sind … über das Töten.

Eines steht für mich fest. Ich werde nicht zum Vegetarier, denn für mich gehört zum menschlichen Speiseplan nun mal Fleisch. Ich bin eindeutig ein karnivorer Vertreter meiner Gattung – ein fleischfressendes Tier am Kochtopf, sozusagen.

23.1.16 14:58

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